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Jeff Beck

Blow By Blow (1975)

Er war ein Ton-Freak, dessen emotionaler Ausdruck selbst vermeintlich unspektakuläre Melodieläufe zu etwas Besonderem machte. Vor allem war er jemand, der es genoss, seinem Instrument Sounds abzuringen, die einfach anders waren als die der Kollegen: Heute hätte Jeff Beck seinen 82. Geburtstag gefeiert.

TEXT: DANIEL BÖHM |FOTO: ROCKS

Jeff Beck und seine musikalische Entdeckungsfahrten auf nur ein Jahrzehnt begrenzen zu wollen, ist absolut unmöglich. Jeff Beck war ein Ton-Freak, dessen emotionaler Ausdruck selbst vermeintlich unspektakuläre Melodieläufe zu etwas Besonderem machte. Vor allem war er jemand, der es genoss, seinem Instrument Sounds abzuringen, die einfach anders waren als die der Kollegen und die sich nicht immer gleich einer Gitarre zuschreiben ließen. Und das mit rein spielerischen Mitteln und bereits in einer Zeit, als Rhythm’n’Blues und Rock’n’Roll in technischer Hinsicht noch vergleichsweise unschuldige Unternehmungen waren.

Schon bei den Yardbirds setzte der am 24. Juni 1944 in Wallington geborene Geoffrey Arnold Beck kontrollierte Feedbacks ein, schaltete Fuzz-Verzerrer vor seine Verstärker und experimentierte mit Hall; die Saiten schlug er vorzugsweise mit seinem Daumen und den Fingern an und liebte es, seine Tonfolgen mit dem gesamten Vibrato-System seiner Stratocaster expressiv zu erweitern, die er ab 1975 primär einsetzte: Blow By Blow ist ein instrumentales Jazzrock- und Fusion-Werk, mit dem sich Beck vom Heavy Rock der vorangegangenen Alben entfernte. Weder sein flüssiges Spiel noch die eingesetzten Sounds haben darauf auch nur einen Deut von ihrer Inspirationskraft verloren, das zwischen Bass-Grooves (Phil Chen) und waberndem Tastenzauber mit Anlehnungen an Herbie Hancock gefangen nimmt.



Heißer Funk mit trickreichen Rhythmen (›You Know What I Mean‹) trifft auf ein Beatles-Cover mit Talk-Box und Reggae-Touch (›She’s A Woman‹), Jam-Jazz-Rock mit luftigen Melodien (›Air Blower‹), das virtuose Skalenspiel in ›Scatterbrain‹ und ›Diamond Dust‹ sowie der ›Freeway Jam‹ bekunden die enorme, elegante Ausgefallenheit von Becks Art, sich auf der Gitarre auszudrücken. Und dann wäre da noch ›Cause We’ve Ended As Lovers‹. Ursprünglich stammt die im Original mit Text und Gesang versehene Ballade von Stevie Wonder und dessen Freundin Syreeta Wright — in Jeff Becks Instrumental-Interpretation wird sie zur Jahrhundertnummer, die in ihrer erzählerischen Form und der emotionalen Tiefe des fast sechsminütigen Vortrags ihresgleichen sucht. In ›Thelonius‹ ist Wonder am hemmungslos tänzelnden Clavinett zu hören.



Dass ihm ausgerechnet dieses vergleichsweise avantgardistische Stück instrumentaler Fusion-Musik einen kommerziellen Höhenflug bescheren sollte, kam auch für Jeff Beck überraschend: Die Platte schlug sich ausgezeichnet in den US-Charts und wurde ein halbes Jahr nach Erscheinen vergoldet; zehn Jahre später ist es das erste Beck-Album, das mit einer Platin-Auszeichnung geehrt wird. Auf dem Nachfolger Wired (1976) vollzieht er die Transformation vom Rock-Jazz zum Jazz-Rock noch viel umfassender.


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