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The Black Crowes

A Pound Of Feathers

Silver Arrow
VÖ: 2026

Auffallend kratzbürstig

Die Rhythm’n’Blues-Hardrocker aus Atlanta bauen weiter an ihrem neuen Karriereleben. Und nicht zuletzt an dem sehr speziellen Charakter, den diese neue Inkarnation der Black Crowes immer deutlicher ausformt. Ihre Herangehensweise im Studio habe sich gar nicht so sehr von der Entstehung ihres Comeback-Albums Happiness Bastards unterschieden, erzählt Sänger Chris Robinson im Interview. Die grundsätzliche Voraussetzung von A Pound Of Feathers allerdings umso mehr. 

Als die Black Crowes vor zwei Jahren den lange nicht für möglich gehaltenen Studio-Nachfolger von Before The Frost… Until The Freeze (2009) einspielten, waren sie schon nicht mehr dieselbe Band, die erst kurz zuvor gemeinsam auf Welttournee war. Es wäre übertrieben, Gitarrist Nico Bereciartúa und Schlagzeuger Cully Symington heute eine ähnlich impulsgebende Rolle zuschreiben zu wollen, wie sie einst Marc Ford (später auf andere Weise Luther Dickinson) oder Steve Gorman innehatten. Dennoch sorgen sie dafür, dass auf A Pound Of Feathers spielerisch einiges mehr passiert als auf Happiness Bastards. Ohne allerdings die Black Crowes in der Zeit so weit zurückzuschleudern, als sie ihren mit Blues, Soul und Gospel aufgeladenen Roots-Hardrock als Jam-Kollektiv auskosteten und sich am musikalischen Dialog berauschten: Heute kreist bei ihnen alles noch viel enger um die Robinson-Brüder Chris und Rich, die ihre sehr konkreten Songvorstellungen von zugelassenen Musikern befruchten lassen. Im Ergebnis wirft sich einem A Pound Of Feathers nicht ganz so offensiv an den Hals wie das Comeback vor zwei Jahren und bleibt in seinem Wesen insgesamt vergleichsweise harsch und erfreulich bockig. Das erinnert einerseits ein bisschen an die Zeit um Amorica herum. Andererseits ist die Ausprägung dieser neuen Bandinkarnation bis in die frontale Produktion hinein so auffallend kratzbürstig, dass einem auch ihre Anfangstage in den Sinn kommen könnten, als die Band sich durchaus auch wilderen Stoff einverleibte wie die New York Dolls oder alternative Nachbarn der Sorte R.E.M. oder Drivin’ N’ Cryin’, vor denen sie sich hier mit einer Adaption von ›Acceleration‹ verbeugen — leider nur ein Bonus-Track.

›Pharmacy Chronicles‹ ist ein urgemütlicher und sehr klassisch anmutender Song mit Amorica-Vibe, dessen psychedelisch verhallte Gitarren auch The Magpie Salute gut gestanden hätten, bei denen sich Rich Robinson einstweilig austobte. ›Do The Parasite!‹ stellt besonders deutlich heraus, was diese Band heute sein möchte und ausmacht: Es gibt Orgel, wimmernde Slide-Rutschen, Klimper-Klavier, soulige Damen-Chöre und einen tollen Groove-Break. Die Rifffigur erinnert ein wenig an ›Sting Me‹ — wirkt aber nervöser, bissiger, verzerrter und frontaler. Und verglichen mit dem Sound-Panoptikum des Jahres 1992 gleichzeitig kleiner und kompakter. ›It’s Like That‹ kitzelt mit übersteuert blubbernden Fuzz-Gitarren und Punkrock-Vibe, ›Blood Red Regrets‹ ist ein herrlich schepperndes Classic-Rock-Fest, das ohne Jimmy Page und Led Zeppelin nicht denkbar gewesen wäre. Der recht extreme und laute Produktionssound dürfte nicht jedem Ohr schmeicheln. Aber auch er definiert dieses neue Kapitel der Krähen-Saga, die hoffentlich noch lange nicht auserzählt sein wird.

(8.5/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

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