Die Erkenntnis nach bald acht Wochen mit Flesh & Blood: Kein Album von Whitesnake hat nach 1987 mehr gefesselt und mehr Laune gemacht als dieses. Was nicht automatisch bedeutet, dass Flesh & Blood den großen Band-Klassikern in die Augen schauen könnte — aber das muss es auch gar nicht. David Coverdale steht bedingungslos zu seinem Entschluss, ein ganz bestimmtes Bild seiner Band transportieren zu wollen, mit dem er sich wohlfühlt. Und das steht den Whitesnake der späten Achtziger musikalisch bedeutend näher als ihrer fruchtbaren, aber verhältnismäßig kurzen Schaffensphase in den Siebzigern. Dass ihn seine Stimme nicht mehr ganz so hoch und weit trägt wie vor drei Dekaden, ist dem bald Siebzigjährigen voll bewusst, er hat daher Anpassungen in den Arrangements seiner Songs vorgenommen, die sich bezahlt machen. Sehr melodische Hoekstra-Soli (etwa in ›Shut Up And Kiss Me‹, wo Coverdale durchaus an seine Grenzen stößt, vom nächsten Testosteronschub aber weitergetragen wird) und laute Chöre erweisen sich immer wieder als Rettungsanker und fangen stützend auf, wenn’s brenzlig wird. Auch die immer wieder ausgerollte Orgel (im Titelstück oder in ›Always And Forever‹, einer traumhaften Whitesnake-Nummer, die den Thin Lizzy-Vibe von ›Guilty For Love‹ mit dem des Remakes von ›Fool For Your Loving‹ verknotet) hilft dabei, der Platte Tiefe und stimmige Fülle zu geben, die es so schon lange nicht mehr von der Band zu hören gab. Dieses Album hat Coverdale für sich und seine Fan-Familie gemacht: Wer nicht in der Lage oder bereit ist, gemeinsam mit dem Sänger über seit Jahrzehnten liebgewonnene Klischees in Text, Musik und Auftreten zu schmunzeln und diese zu feiern, wird seine liebe Not haben mit Flesh & Blood.
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