Während Geoff Tate mit einem Best-of-Programm zeitgleich durch wesentlich kleinere Clubs tingelt, gerät die Tour der Originale unter dem Motto The Origins zu einem Triumphzug. Vor durchweg ausverkauften Häusern stehen ihre bahnbrechende Debüt-EP Queensrÿche (1983) sowie ihr ikonischer Album-Einstand The Warning (1984) in voller Pracht auf dem Programm. Das wird eine einmalige Angelegenheit bleiben, betont Sänger Todd La Torre im Karlsruher Substage, das an diesem Abend aus allen Nähten zu platzen droht.
Der kraftvolle Old-School-Metal der Anheizer Night Demon bringt die Anwesenden auf Betriebstemperatur; die Stimmung steigt merklich beim kultigen Video-Intro der metallischen Keule ›Queen Of The Reich‹, bei der La Torre den ersten Nachweis seiner beeindruckenden Stimmgewalt erbringt. Besagte EP, von der auch die nachfolgenden Stücke ›Blinded‹, ›Nightrider‹ und ›The Lady Wore Black‹ stammen, legte einst den Grundstein für die explodierende Progressive-Metal-Szene in den USA, und sie klingt hier und heute noch fantastisch, lebendig und extrem druckvoll. Und sehr authentisch, denn zum Einsatz kommt ausschließlich das seinerzeit verwendete Equipment. Ohne die ansteckende Spielfreude der traumhaft zusammenwirkenden Formation wäre all das aber nur die Hälfte wert. Das Schlagzeug von Casey Grillo unterfüttert zusammen mit Eddie Jacksons federndem Bass die filigranen und fein austarierten Doppel-Gitarren von Ur-Mitglied Michael Wilton und seinem Partner Mike Stone. Der Frontmann ist in Top-Form und kommuniziert launig mit den Anwesenden, von denen erstaunlich viele, so findet er heraus, die Band tatsächlich heute zum ersten Mal live erleben.
Dennoch wird der Auftritt spätestens ab dem forschen ›En Force‹ zum Selbstläufer, das, wie auch ›Child Of Fire‹ oder das frenetisch bejubelte ›Take Hold Of The Flame‹, seinerzeit einen eigenen Sound formte, abgerundet von einem epischem (›Roads To Madness‹) oder dezent modernem Anstrich (›N M 156‹). Am Ende will niemand die sichtlich gerührten Musiker gehen lassen, und die belohnen so viel Ausdauer mit zwei außerplanmäßigen Zugaben, dem Operation: Mindcrime-Brecher ›The Needle Lies‹ und dem auf der Original-EP im Erscheinungsjahr unveröffentlicht gebliebenen ›Prophecy‹. Viel besser geht es kaum.







