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Lee Michaels

Lee Michaels (1969)

Wer glaubt, die Hammond sei der unrock’n’rolligste Musikapparat aus der Hölle, hat Lee Michaels noch nicht gehört: Mit seinem Spiel schaffte es der Amerikaner, selbst Menschen mit schwerster Orgelphobie zum Mitgrooven zu bewegen.

TEXT: DANIEL BÖHM

In den USA ist Lee Michaels ein geschätzter Mann. Nicht unbedingt wegen seiner Musik, die ihm in den Siebzigern einige Hits bescherte: 1988 machte er eine andere große Leidenschaft zum Job, indem er einen Seafood-Imbiss eröffnete und seinen „Killer Shrimp“ getauften Laden zu einer beliebten Restaurant-Kette ausbaute. Abseits der Meeresfrüchte war und ist Michaels ein begnadeter Hammondorgel-Spieler, der es mit seinem infektiösen Spiel schaffte, selbst Menschen mit der größten Orgelphobie in Windeseile zum ekstatischen Mitgrooven zu bewegen.



Auf Carnival Of Life, der ersten seiner beiden 1968 erschienenen LPs, gab er als kalifornischer Steve Winwood-Verschnitt eine noch eher vage Vorstellung seines musikalischen Könnens. Auf Recital blitzen seine Qualitäten als Meister des Southern-Soul zumindest immer wieder auf. Erst auf seinem dritten Album traute er sich zu, ganz er selbst zu sein: Als er am 2. Juni 1969 um ziemlich genau 17 Uhr ins Aufnahmestudio stolperte, hatte er lediglich Schlagzeuger Barry „Frosty“ Smith im Schlepptau. Sechs Stunden und 45 Minuten später zogen sie wieder von dannen — entstanden ist in dieser Zeit ein überwältigendes Stück Southern-Soul und Bluesrock der prächtigst groovenden Art. 

Auf dessen erster Plattenseite, der Smith lange Soli schenken darf, sind tatsächlich nur ein Schlagzeug und eine gigantische Hammondorgel zu hören, die funkigen Bassläufe spielt Michaels über die Fußpedale. Auf Seite zwei ist ausnahmsweise auch mal ein Klavier zu hören. Michaels legt all das an Emotionen in sein Tastenspiel, was seine fantastische R&B- und Blues-Stimme nicht auszudrücken vermag: Es schreit, stampft, flimmert und wimmert, dass es einem den Verstand raubt.



Bei folgenden Studio-LPs ruft das Duo energisch aufspielende Gitarristen zur Unterstützung (Space & First Takes, 1972). Auf der Bühne aber bleibt es bei der faszinierenden Zweierbesetzung, mit der Lee Michaels sogar im Vorprogramm von Led Zeppelin bestehen konnte: Das intensive Konzertdokument Live von 1972 lässt regelrecht fühlen, wie der Tastenanschlag des Organisten gigantische Schallwellen in Bewegung setzt. 



Die Titelliste von Lee Michaels:

01. Tell Me How Do You Feel 
02. (Don't Want No) Woman 
03. My Friends 
04. Frosty's
05. Think I'll Go Back
06. Stormy Monday
07. Who Could Want More
08. Want My Baby
09. Heighty Hi 

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