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Molly Hatchet

Aus der Abbey Road zum "Lost Horizon"

Nach dem Flugzeugabsturz von Lynyrd Skynyrd, bei dem im Oktober 1977 drei Musiker umkamen, schlug die Stunde von Molly Hatchet. Nun erscheint nach 16 Jahren ein neues Album der Band mit den schwertschwingenden Fantasy-Helden auf den Plattenhüllen.

TEXT: MAXIMILIAN BLOM |FOTO: Benjamin Gabbert

Bobby Ingram hat sich einen Traum erfüllt: Das jüngste Werk seiner Band Molly Hatchet entstand in den Abbey Road Studios in London. »Und zwar im Studio 2, exakt dort, wo vor 60 Jahren die Beatles gearbeitet haben«, strahlt der seit 1987 bei den Southern-Hardrockern aktive Gitarrist, der mittlerweile die Geschicke der Formation lenkt. 

»Es war der selbe Raum und die identischen Mikrophone, die Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr verwendet haben«, erzählt Ingram weiter. »Zudem hatten wir mit Chris Bolster einen Toningenieur, der schon für McCartney, Elton John, Kate Bush, Oasis oder die Foo Fighters gearbeitet hat. Für mich war es ein unfassbar emotionales Abenteuer, die neue Molly Hatchet-Scheibe unter diesen großartigen Bedingungen einzuspielen.« 



Einen Song aus den Sessions veröffentlichte die Band bereits 2023: Mit ›Firing Line‹ präsentierte die 1975 gegründete Band seinerzeit ihren neuen Sänger Parker Lee. Jener ersetzte seinerzeit Jimmy Elkins, der wiederum 2019 als Ersatz für den im selben Jahr verstorbenen Phil McCormack zur Band stieß. Die Nummer eröffnet in einer erweiterten Version nun auch Lost Horizon, das erste Werk der Band seit Justice (2010). Eingespielt wurde es neben Ingram und Lee von Bassist Tim Lindsey, Schlagzeuger John Galvin und Schlagzeuger Garrett Ramsden.

Zusammen mit der Ankündigung ihres 13. Studiowerkes präsentieren Molly Hatchet eine zweite Single: ›Dixie Highway‹ beschreibt das Aufwachsen in den US-amerikanischen Südstaaten. »Wir waren furchtlos, liefen mit dem Wind und fuhren auf einem berühmten Highway in Florida mit Vollgas. Wir blickten in den Rückspiegel, um zu sehen, was hinter uns lag«, so Ingram. Lost Horizon erscheint am 27. November 2026. 



Die Titelliste von Lost Horizon:

01. Firing Line (Enhanced Version)
02. Whiskey Desperado
03. Jacksonvillain
04. Dixie Highway
05. Lost Horizon
06. The Answer
07. Moonshine All Mine
08. Helter Skelter
09. Stand Up For Freedom
10. Stronger
11. Once A Gambler
12. Coming Home

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Molly Hatchet in Scheiben
 

Molly Hatchet — Molly Hatchet (1978)

Starkes Debüt des Jacksonville-Jokers, bei dem kein Geringerer als Lynyrd Skynyrds Bärbeißer Ronnie Van Zant seine Finger im Spiel hatte. In ›Gator Country‹ feiern sie ihre Heimat Florida, und auch das attackierende ›Bounty Hunter‹ gehört bis heute zum Live-Set der Band. Die Drei-Gitarren-Front rifft dicht verschweißt, der dunkel tönende Frontmann Danny Joe Brown stöhnt seine Macho-Lyrik ins Mikro, und bei Gregg Allmans ›Dreams I’ll Never See‹ wird’s emotional. Ein überaus kompaktes Album, auf dem jeder Song Single-Qualität hat.

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Molly Hatchet — Flirtin’ With Disaster (1979)

Eine Million verkaufte Platten vom Erstling und damit eine Platinauszeichnung steigerten die Laune — das ist dem Nachfolger deutlich anzumerken. Der zweite Dreher der Boogie-Brigade enthält Southern-Rock in Premium-Qualität. ›Whiskey Man‹, ›Gunsmoke‹ und ›Boogie No More‹ verstärkten ihr ohnehin packendes Konzertprogramm, das Titellied gibt Danny Joe Brown aufs Neue Gelegenheit, seine basslastig-sinistre Stimme zu entfalten. Die LP stieg auf Platz 19 der Billboard-Charts ein und setzte kurz nach Erscheinen bereits zwei Millionen Scheiben ab.

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Molly Hatchet —Take No Prisoners (1981)

Mit Brown-Nachfolger Jimmy Farrar bewegten sich Molly Hatchet zu neuen Ufern. Wie ihre erklärten Vorbilder Lynyrd Skynyrd bedienen sie sich hier bei Southern-Soul und -Funk, für zwei Stücke schmettern die Bläser von Tower Of Power mit, bei ›Respect Me In The Morning‹ brilliert Joyce „Baby Jean“ Kennedy (Mother’s Finest) mit ihrer sexgeladenen Stimme. Damals mögen einige Anhänger gemosert haben, doch in der Rückschau wirkt die Scheibe überraschend frisch.

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Danny Joe Brown Band — Danny Joe Brown Band (1981)

Aufgenommen von Stones-Produzent Glyn Johns auf den Bahamas, folgt Browns Soloscheibe dem bewährten Southern-Rock-Pfad: drei dichtverwobene Klampfen, eine robuste Rhythmussektion und Honky-Tonk-Keyboards, gekrönt von der heiseren Whiskeystimme des Chefs. Mit von der Partie sind die späteren Molly-Mitglieder Bobby Ingram (Gitarre) und John Galvin (Keyboards). Selbst wenn er kein Bestseller wurde, in Sachen Eingängigkeit und Durchschlagskraft kann es dieser Rotor problemlos mit den beiden ersten Hatchet-Werken aufnehmen.

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Molly Hatchet — Lightning Strikes Twice (1989)

Ende der Achtziger bestimmte harmloser Haarspray-Rock die Szene. MTV liebte die geschminkten Jungs, für Rebel-Rocker brachen hingegen schwere Zeiten an. Molly Hatchet reagierten mit einigen glattgebügelten Arena-Rock-Songs, und erstmals darf John Galvin ganz schlimme Keyboard-Sounds dazwischenblöken. Doch mit schmissigem Rock’n’Roll (›There Goes The Neighborhood‹) und schwungvollem Southern-Stoff (›No Room On The Crew‹) können sie auch positive Akzente setzen. Selbst die Kiss-Nummer ›Hide Your Heart‹ interpretieren sie recht stimmig; dumm nur, dass Kiss das Stück ebenfalls rausbrachten. Gegen den Zeitgeist war freilich kein Kraut gewachsen: Nach diesem Kompromiss-Album verschwanden Molly Hatchet sieben Jahre in der Versenkung.

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