Agitation Free

Momentum

MIG
VÖ: 2023

Lebens- wie Ausrufezeichen

Agitation Free veröffentlichen ihr erstes Album seit fast einem Vierteljahrhundert. In der ersten Hälfte der Siebziger verbanden die Berliner meisterhaft Improvisation, östliche Musikstile, Jazz und Elektronik und klangen dabei doch anders als alles aus Conny Planks kosmischem Kosmos. Auf Momentum ist nun einiges anders als vor fünfzig Jahren.

Die Produktion ist modern und dick, die Songs bleiben alle unter zehn Minuten. Das bedeutet nicht, dass es einem die Band jetzt leicht macht. Der Opener ›Noveau Son‹ türmt sich langsam auf, während eine Stimme aus dem Off auf Französisch Agitation Free vorstellt, und mündet in einem wunderbaren Basssolo. Hier klingt die Band stark nach dem Post-Rock, den sie mitbeeinflusst hat.

In der Folge pendelt die Platte mal Richtung Psych, mal Richtung Prog. ›Levant‹ klingt mit seinen nahöstlichen Melodien so wie es heißt, ›Nightwatch‹ ist ein Jazz-Fusion-Brocken mit rückwärts abgespieltem Feedback, und das epochale ›Momentum‹ wirkt in seiner Soundästhetik wie aus den Achtzigern gefallen. Die Arrangements setzen jedes einzelne Instrument (darunter auch die Gitarren des 2017 verstorbenen Gustl Lütjens) in Szene. Sollte dies das letzte Agitation Free-Album bleiben, es wäre ein würdevoller Abschied.

(8.5/10)

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