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Deep Purple

Splat!

EAR Music
VÖ: 2026

Es lebt, bebt und spuckt Feuer

Chapeau! Obwohl das Durchschnittsalter ihrer langjährigen Mitglieder rund achtzig Jahre beträgt, sind Deep Purple weiterhin in der Lage, wertvolle neue Musik anzubieten — und mit dieser zu überraschen. Splat! ist ihr insgesamt 24. Studio-Album und das zweite mit dem 2022 für Steve Morse nachgerückten Gitarristen Simon McBride, der diese ehrwürdige Band so richtig durchgerüttelt hat mit seinem Sendungsbewusstsein, erheblicher spielerischer Klasse, eigenem Ton, seiner Geschwindigkeit und wachem Sinn für Melodie. Blieb die Frage, ob das reichen würde, um die gewaltige Schubkraft ihres Spätherbst-Juwels =1 in kreative Energie zu übersetzen und zu übertreffen. Letzteres lässt sich auch nach mehrmaligen Durchläufen nicht abschließend beantworten. 

Splat! klingt vertraut und eben doch anders. Die betonten Querverweise auf die klassische Mark II-Periode, die sich in Stücken wie ›Lazy Sod‹ oder ›A Portable Door‹ wieder deutlich manifestiert hatten, sind zu einer allzeit präsenten und dynamisch glühenden Aura dieser goldenen Ära geworden. Die extrem forsche, sehr direkte Gitarrensprache und das Zusammenspiel mit der Orgel verblüffen und begeistern auf diesem reinrassigen Hardrock-Werk, das in einer sehr klaren Instrumentierung deutlich wie lange nicht offenlegt, wie gut Deep Purple darin sind, Musik aus dem Zusammenspiel in Jams heraus zu entwickeln. Bands wie Gov’t Mule haben dies in den zurückliegenden Dekaden weitergedacht — tatsächlich lassen sich auf Splat! immer wieder Parallelen entdecken. 

Vor allem ›Jessica’s Bra‹ oder ›Arrogant Boy‹ sind klassische Purple-Rocker, die den Geist seliger Machine Head-Tage mit der gewohnten Balance aus Kraft und Präzision beschwören, das von orientalischen Melodielinien durchzogene ›Sacred Land‹ verbindet das mit der Nonchalance der Perfect Strangers-Phase. Tasten-König Airey betont Rhythmus, Riffs und die Melodien, anstatt sie nur mit üppigen Orgel-Ornamenten auszuschmücken, dazu bildet McBrides warm-grantiger Gitarrenton einen wirkungsstarken Kontrast. Dass er sich offensichtlich wenig um Vergleiche mit dem übermächtigen Blackmore noch seinem filigraneren Vorgänger Morse schert, macht seine Beiträge umso wertvoller. Wenn man denn wollte, ließe sich der Stil des 47-Jährigen irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Welten einordnen. Doch insgesamt überwiegt eine ihm ganz eigene freche und unbekümmerte Rotzigkeit, die Stücke wie ›The Rider‹ immens belebt. Die vielen hochklassig-verzahnten Duelle zwischen ihm und Don Airey selbst in Stücken, die kaum die Vier-Minuten-Marke knacken (›Diablo‹), sind ein Geschenk; der unnachahmlich-swingende Rhythmus-Groove von Roger Glover und Ian Paice sowieso, der anschiebt und buchstäbliche Spielräume für die anderen Instrumente schafft.

Ian Gillans Gesang tönt nach wie vor souverän und ausdrucksstark und ist geprägt von einer gewissen altersbedingten Sentimentalität. Zudem sind seine Texte durchdacht, von seinem ureigenen britischen Humor durchsetzt und alles andere als ›Scriblin’ Gib’rish‹ (dt. etwa: Nonsens zu Papier bringen), wie etwa ›Arrogant Boy‹ belegt. Der klassische Außenseiterstoff handelt vom Finden der eigenen Stimme gegen alle Widrigkeiten und klingt weniger intellektuell als das durchgehende Konzept der Scheibe, das Gillan um das Thema der Transformation der menschlichen Seele herum aufzog. Weitere Eindrücke von den Songs sind dem Zusatzkasten unserer Story in ►ROCKS Nr. 113 (04/2026) zu entnehmen. 

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(9.5/10)
TEXT: MARKUS BARO

ROCKS PRÄSENTIERT

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