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Joey Goebel

Sunset Flip

VÖ: 2026

Engagiert, einfühlsam, energisch

So manchem Freund härterer Rockmusik dürfte der Film The Wrestler (2008) mit Mickey Rourke in der Hauptrolle des abgehalfterten Wrestlers Randy Robinson in guter Erinnerung sein. Der Soundtrack versammelt Hymnen wie ›Bang Your Head (Metal Health)‹ von Quiet Riot, ›Welcome To Hell‹ von Rhino Bucket, Songs von Cinderella, Ratt, Firehouse und Slaughter bis hin zu ›Balls To The Wall‹ von Accept und ›Animal Magnetism‹ von den Scorpions.
Zuweilen fühlt man sich bei der Lektüre von Joey Goebels neuem Roman Sunset Flip an den Film erinnert, wenngleich sein Protagonist Auggie Schnuck mit anderen Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen hat als Rourkes Randy Robinson. Auggie, aus prekären Verhältnissen stammend, die sich noch zuspitzen, als der Vater die Familie verlässt, »wusste, wer er sein wollte. Jemand, der Geld hatte. Jemand, auf den niemand herabsah. Der nicht aus einer Kleinstadt in Iowa kam. Er wollte selbstbewusst sein. Extrovertiert. Respektiert. Er wollte das sein, was die Gesellschaft als einen erfolgreichen Mann betrachtete, ein echter Gewinner. Angesehen.«

Aber Auggie, in der Pubertät von starker Akne gezeichnet und nicht nur deswegen schon in der Schule ein Außenseiter, scheitert letztlich an seinem Pessimismus, seiner »zwanghaften Grübelei«, an sich selbst. Obwohl er sein Talent zur Schauspielerei entdeckt und auch erste Erfolge verzeichnen kann: »Im Lauf der vier Jahre auf dem College blühte er immer mehr auf, was er selbst jedoch nicht merkte und auch sein Leben lang nie wirklich erkennen würde.«
Der Berufswunsch Schauspieler manifestiert sich, er absolviert eine Schauspielausbildung, siedelt nach Kalifornien um, trifft die Liebe seines Lebens, sie heiraten irgendwann, aber es gelingt beiden nicht, als Schauspieler Fuß zu fassen. Als Alternative erscheint das Wrestling, was Auggie zunächst vehement ablehnt, dann aber, von Nadine gedrängt, als Sprungbrett begreift. Tatsächlich hat er auch mit dem von ihm kreierten Charakter The Aug und mit Nadine als seine „Valet“ an seiner Seite stetig wachsenden Erfolg in einem Bereich des Sport-Entertainments, in dem alle Auftritte, Fehden, Kämpfe, Wortgefechte gescripted, durchchoreografiert und eben gespielt sind. Und auch sein Boss verspricht ihm den ersehnten Film. Aber die Gesetze des Business sind knallhart, Auggie ist 300 Tage im Jahr von seiner Liebsten getrennt und scheitert schließlich an der Realität: »In Amerika dreht sich nun mal alles um Wahn und Aufstiegsdenken. Die Amerikaner wollen immer das, was auf dem Weg nach oben ist. Letztes Jahr warst du das. Dieses Jahr ist es Twelve Pack. Nächstes Jahr wird es jemand anderes sein.«

In alternierenden Kapiteln, die seinen Werdegang vom Aufstieg, Weltmeistertitel bis zum Absturz einerseits sowie in immer weiter in seine Jugend und Kindheit spürenden Rückblenden nachzeichnen, schildert Joey Goebel in oft längeren, intensiven Dialogstrecken von zuweilen beklemmender Eindringlichkeit das Leben des Auggie Schnuck. Zugleich bietet er einen interessanten Einblick in das eiskalte Geschäft des Wrestling, das den amerikanischen Traum auf seine Weise spiegelt. Psychologisch sensibel und packend erzählt, ist Goebels Roman, trotz der Wrestling-Kulisse, kein Buch über Wrestling, sondern über die Schattenseiten des Erfolgs, gescheiterte Existenzen und nicht zuletzt verlorene Träume. Auggies Erfolgs-Dreiklang charakterisiert gleichsam das Buch: engagiert, einfühlsam, energisch.

Keine Wertung
TEXT: AMIR SHAHEEN

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