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The The

Mind Bomb (1989)

Mind Bomb ist ein anspruchsvolles, handgemachtes Art-Pop-Album, das in seiner Soundarchitektur seinem Veröffentlichungs-Jahrzehnt zu enteilen versucht. Dem Post-Punk und New Wave der frühen The The gleich mit.

TEXT: DANIEL BÖHM |FOTO: ROCKS

Auf der Innenhülle schwört Matt Johnson seine Zuhörer darauf ein, dieses Album sehr laut, sehr spät und möglichst alleine anzuhören. Tatsächlich intensiviert all dies die Wirkungskraft von Mind Bomb erheblich, auf dem sich der Sänger nun offiziell mit einer Band umgab, der in Johnny Marr der fabulöse Gitarrist der Smiths, Bassist James Eller (Julian Cope Band) und wiederholt Schlagzeuger David Palmer (ABC) angehörten. Und die sich im Studio von weiteren renommierten Session-Musikern begleiten ließ: Keyboard- und Hammondspieler Paul „Wix“ Wickens etwa wird sich dauerhaft der Band von Paul McCartney anschließen. 



Mind Bomb ist ein anspruchsvolles, handgemachtes Art-Pop-Album, das in seiner Soundarchitektur den Achtzigern zu enteilen versucht und sich im eröffnenden ›Good Morning, Beautiful‹ jede Zeit der Welt gönnt, um Intensität und geheimnisvolle Atmosphäre aufzubauen. Klangverschleierte Minarett-Gebete, ein Klavier-Thema, tief stehende Basstöne und erst nach gut zwei Minuten der erste Gesangseinsatz: Wer bis hierin durchgehalten hat, lauscht weiter wie gebannt und ahnt, in diesem beinahe cineastischen Eingangsstück einer Art Intro für alles Folgende beizuwohnen. Johnson begrüßt darin den anbrechenden Tag — und verabschiedet sich abrupt von der Welt, für die er schwarzsieht.



Nicht nur die Auswirkungen des modernen Kapitalismus auf die Menschheit beschäftigen ihn. Auch die Manipulation und die Instrumentalisierung von Religionen thematisiert er auf Mind Bomb immer wieder. Der geisterhafte, hämisch-heitere Rockabilly ›Armageddon Days Are Here (Again)‹ etwa wirkt durch seine starke Überzeichnung umso eindringlicher: „Islam is rising, the Christians mobilising / The world is on its elbows and knees / It’s forgotten the message and worships the creeds“ — das Schicksal der Menschheit werde durch einen heiligen Krieg herbeigeführt, der nur vorgibt, religiös motiviert zu sein, war sich Johnson sicher.



Aber auch das Zwischenmenschliche bewegt ihn. ›Kingdom Of Rain‹ ist eine musikalisch tiefgängige und schlicht wunderschöne Ballade mit erschütternd gegensätzlichem Text, die er mit Sinead O’Connor im Duett singt, unter deren melodischer Oberfläche Abgründe der inneren Leere, Gefühlskälte und Depression lauern. Im Gegensatz dazu wirkt ›The Beat(en) Generation‹ geradezu fidel mit all dem peppigem Geschrubbe auf der Akustischen und den federleichten Harp-Fanfaren. Johnson besingt eine abgestumpfte, von Geld, Populismus und Wohlstand verführte Generation, die irgendwie mit dem ihr von den Älteren Vorgelebtem fertig werden muss: ein Hit.



›August & September‹ bringt jazziges Klavier, Klarinetten, Kontrabass, wischenden Schlagzeugbesen und Streicher in Stellung — den kalten Selbsthass, den Johnson in Text und Stimme legt, könnte man beinahe überhören. ›Gravitate To Me‹ ist mit über acht Minuten der längste Song der Platte, der eine latente Elektronikkomponente hervorbringt, die von Marrs Groove-Funk-Gitarren aber stets in Schach gehalten wird: In Kombination mit der beinahe affektiert wirkenden Gesangsdramatik macht gerade diese Nummer einmal mehr deutlich, wie gut The The im Umfeld von Peter Gabriel und Talk Talk aufgehoben sind.



Die Titelliste von Mind Bomb:

01. Good Morning Beautiful
02. Armageddon Days (Are Here Again)
03. The Violence Of Truth
04. Kingdom Of Rain
05. The Beat(en) Generation
06. August & September
07. Gravitate To Me
08. Beyond Love 

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