Hillow Hammet

Hammer (1969)

In den ausgehenden sechziger Jahren vermengen die kurzlebigen Hillow Hammet urwüchsigen Rock mit Soul und heißem Funk. Hammer ist ein energetisches Album des frühen amerikanischen Hardrock.

TEXT: DANIEL BÖHM

Als Charles Wayne Avery kennen den singenden Bassisten nur die wenigsten. Unter seinem Bühnennamen schon eher: Chuck Bennett nannte er sich bereits, als er einer der Raymen wurde — der Combo des rebellischen Link Wray, der seit den Fünfzigern und mit viel Verzerrung eine Vielzahl epochaler Instrumentalstücke in die Welt lärmte (›Rumble‹), die der Entwicklung des Surf-Sounds genauso auf die Sprünge halfen wie wesentlich später dem Punkrock.

Auch Gregory C. Coleman ist kein Ungehörter: Sein Schlagzeugsolo in ›Amen, Brother‹, das er 1969 mit der Soul- und Funk-Formation The Winstons aufnahm, ist als „Amen Break“ in die Geschichte eingegangen und als Loop in unzähligen Aufnahmen des Breakbeat und Hip-Hop zu hören. Als Hillow Hammet spielten sie 1969 Hammer ein: Ein energetisches Album des frühen amerikanischen Hardrock, das aufgeladen ist mit Soul und heißem Funk — mit stechender Gitarrenarbeit (Ronnie Barclay und Pete Williams), pumpendem Bass (Jack Register), Klavier sowie Hammondorgel (Bennett) und heiß-groovendem Schlagzeug.



Bennetts Stimme nimmt wie eine Mischung aus Otis Redding, John Kay und Paul Rodgers in Beschlag, deren Muttercombos Steppenwolf und Free auf Hammer immer wieder aufblitzen. Sogar einen Gospel können sie sich mit dieser Stimme erlauben: Zum Ausklang der LP feiern sie gemeinsam Edwin Hawkins’ ›Oh Happy Day‹.

Das Schicksal meinte es dennoch nicht gut mit ihnen: Nach dieser einen Platte gingen Hillow Hammet wieder getrennte Wege und machten Musik so lange es ging. Coleman hat nie einen Cent Vergütung für seinen Amen Break erhalten. Im April 2016 stirbt er verarmt und obdachlos in Atlanta, Georgia.


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