Hollywood Vampires

Rise

Frontiers
VÖ: 2020

Blutsauger im Zwielicht

War das selbstbetitelte Debüt dieser Supergroup mit Alice Cooper, Aerosmith-Gitarrist Joe Perry und Hollywood-Star Johnny Depp 2015 ein mit wenigen Originalsongs aufgelockertes Coveralbum, das Coopers Siebziger-Trinkkumpanen wie Keith Moon, Harry Nilsson oder Bernie Taupin Tribut zollte, so ist Rise umgekehrt gewichtet. Lediglich drei Coversongs haben die Vampire diesmal von Dahingeschiedenen gesaugt: Die schon tausendfach nachgespielten ›Heroes‹ (David Bowie, gesungen von Depp) und ›You Can’t Put Your Arms Around A Memory‹ (Johnny Thunders, intoniert von Perry) sind nett, aber überflüssig, das im Original von der Jim Carroll Band stammende ›People Who Died‹ kann trotz seines nervigen Refrains Obskuritätsbonus verbuchen. Bei den eigenen Songs wechseln sich Licht und Schatten ab: Latent düstere Stücke wie das schwer groovende ›The Boogeyman Surprise‹ oder das dramatisch aufgezogene Sechs-Minuten-Miniepos ›Mr. Spider‹ (großartig!) könnten qualitativ und stilistisch problemlos auf einer Solo-Scheibe von Alice Cooper stehen wie auch das humorvolle ›Welcome To Bushwackers‹; andere Songs wie ›Git From Round Me‹ oder ›Congratulations‹ haben unter ihrer bizarren Oberfläche wenig Substanz. Und das zwischen Straßenparade und Pub-Hymne pendelnde ›We Gotta Rise‹ ist einer dieser Ohrwürmer, die man nicht mögen will, aber trotzdem nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Knapp gut.

(7/10)

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