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Hot’n’Nasty

Energie mit eigener Note

Seit gut 25 Jahren bereichern Hot’n’Nasty die hiesige Bluesrock-Landschaft. Mit dem dynamischen Konzert-Mitschnitt Still Rollin’ bietet der Vierer aus Dortmund einen Einblick in seine bodenständigen Live-Shows.

TEXT: MARKUS BARO |FOTO: Lukas Diller

Gitarrist und Bandmotor Malte Triebsch liebt Live-Alben. Strangers In The Night von UFO, Live And Dangerous von Thin Lizzy und At Fillmore East von den Allman Brothers sind seine absoluten Favoriten. Sie alle haben etwas gemeinsam: Alle sind Doppeldecker und alle haben die Energie der Studiovorlagen um ein Vielfaches übertroffen. Dass man die Bühnen-Energie noch im Wohnzimmer verspüren müsse, sei die eine Seite, so Triebsch. »Andererseits hatte man bei Einfach-Alben immer das Gefühl, es fehlen wichtige Teile der Show. Bestes Beispiel ist die erste Live-Scheibe von Frank Marino & Mahogany Rush. Die Intensität ihrer Live-Shows hat die wenig bis gar nicht abgebildet.«

Daher war von Anfang an klar, dass es bei ihrer eigenen Konzert-Konserve unter vier Plattenseiten nicht gehen würde. »Den Zeitpunkt, ein Konzert mitzuschneiden, habe ich bewusst gewählt, weil ich mit Schlagzeuger Dominique Ehlert und Bassist Tim Gressler schon lange zusammenspiele und wir einfach eine fantastisch eingespielte Einheit bilden, bei der live jeder ausreichend Gelegenheit zur freien Entfaltung bekommt. Um die Dynamik unserer Auftritte adäquat einzufangen, musste es also ein Doppelalbum sein, ansonsten hätten wir einige längere Nummern, in denen wir auch mal ein Stück weit improvisieren, weglassen müssen. Und gerade diese Interaktion auf der Bühne macht für mich ein Blues-Konzert erst richtig authentisch.«


 


Besagte Interaktion behalten sich die von Sänger Robert Collins komplettierten Hot’n’Nasty am liebsten für ausgewählte Coverversionen vor, wie etwa die ZZ Top-Preziose ›Fool For Your Stockings‹, die bei dem Quartett stets zum launigen Jam-Marathon ausartet. »Man muss schon eine Weile ausprobieren, ehe man das Gefühl dafür bekommt, was passt und was nicht. Nicht jedes Lied bietet sich für einen Jam an. Wir spielen ja auch immer den Song von Humble Pie, nach dem wir uns benannt haben, aber bei dem halten wir uns ziemlich penibel an die Studio-Vorgabe. Ich habe lange überlegt, bei welchen Liedern wir eine eigene Note einbringen können. ›Fool For Your Stockings‹ hat sich als ideal herausgestellt. Andere Sachen hingegen verbieten sich schlicht von selbst. Stücke von Jimi Hendrix etwa, obwohl er ein Idol von mir ist. Aber man kann sie einfach nicht besser machen.«



Von der Idee, die Album-Originale 1:1 auf der Bühne zu reproduzieren, hält Triebsch nicht besonders viel. »Im Studio versucht man eben auch mal, mit verschiedenen Gitarren und Klängen zu experimentieren, den Raumklang zu nutzen oder Tasteninstrumente oder Bläser einzusetzen. Live müssen wir uns auf das Notwendigste beschränken und das mit einem ausgewogenen Programm ausgleichen. Und natürlich mit viel Energie und Spielfreude.«

Das ist den Gewinnern des German Blues Award 2020 auf Still Rollin’ ausnehmend gut gelungen. Nachschub für künftige Bühnenpräsentationen ist bereits geplant. Etliche Lieder des kommenden Studiodrehers, der auf das 2021 veröffentlichte Burn folgt, hat Triebsch schon geschrieben. Wenn nichts dazwischenkommt, soll ihre fünfte Liedersammlung abermals in den Arnsberger Megaphon-Studios unter der Regie von Martin Meinschäfer entstehen und womöglich auch einige stilistische Neuerungen beinhalten. »Diese typische Country-Musik habe ich früher total gehasst, aber gerade einige der neuen Künstler gefallen mir ausnehmend gut. Das hat nichts mehr mit der amerikanischen Schlagermusik gemeinsam, die man von früher kennt. Das wäre vielleicht auch ein netter neuer Farbtupfer in unserem Sound.«


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