Ihr letztes Album stammt aus dem Jahr 2014. Auch wenn Gravitas nicht wirklich schlecht ist, dem Ansehen von Aisa hat die Platte weder genutzt noch geschadet. Umso überraschender, dass Indigo nun eine unerwartet kreative Wiedergeburt darstellt, die alle Stärken der Band vorwärtsgewandt auf den Punkt bringt. Das hat viel mit der neuen Stimme Harry Whitley zu tun, der in ›Hymn For The Fallen‹ Original-Sänger John Wetton zum Verwechseln ähnlich tönt, gleichwohl aber eigene Charakterzüge zeigt, die Asia auf dem Feld des melodisch üppigen Pop-Prog begeistern lassen. Fusion-Trommler Virgil Donati sorgt dafür, dass der Asia-Sound im dreigeteilten ›Tattoo (Indigo)‹ wieder stärker in progressiven Sphären gründet, während Keyboarder und Bandgründer Geoff Downes die Lieder mit flächigen und, wo nötig, bombastisch geprägten Klangtexturen überzieht. Musikalisch besitzt Indigo all jene Schattierungen, die schon ihr famoses Debüt ausgezeichnet hatten. ›Arcadia‹ hat eine sphärische und fesselnde melodische Tiefe, zu der das tolle Arrangement mit plötzlicher Orgelgrundierung beiträgt, die der hiesigen Verwandtschaft von Subsignal und Everon als Lehrstunde dienen könnte. Auch ›On A Winter’s Night‹ ist melancholisch, balladesk und überaus melodisch, einzig ›Life In The Sun‹ greift ein wenig zu tief in den Schmalztopf. Dafür veredelt Yes-Gitarrist Steve Howe, der ebenfalls zur Gründergarde zählt, ›Chesapeake Bay‹ mit einem feinen Akustik-Solo. Und im ätherischen ›Echo Of You‹ verbeugt sich Downes textlich vor seinem 2017 verstorbenen Kreativpartner Wetton. Unerwartet gehaltvoll.
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