Rex Brown

Jenseits der Angst

Das volle Brett ist vom ersten Soloausflug des früheren Bassisten von Pantera nicht zu erwarten. Auf Smoke On This… geht es Rex Brown in erster Linie um gute Songs und den Spaß am eigenen Schaffen.

TEXT: TOM KÜPPERS |FOTO: PR

Seit dem Ende der legendären Texas-Metaller 2003 sind Leben und Karriere des Mittfünfzigers ziemlich turbulent verlaufen. Privat hatte Rex Brown die Scheidung, die Versöhnung und die erneute Trennung von seiner Frau zu verarbeiten. Zusätzlich war er gesundheitlich angeschlagen, was 2011 in letzter Konsequenz zur Trennung — auch von Rauswurf ist die Rede — von der All-Star-Truppe Down führte.

Die anschließend mit Drummer Vinny Appice ins Leben gerufenen Kill Devil Hill haben seit knapp drei Jahren Sendepause. Größere Aufmerksamkeit wurde dem Bassisten zuletzt 2013 zuteil anlässlich der Veröffentlichung seiner Memoiren Official Truth 101 Proof: In seinem Buch wollte er nichts beschönigen, sondern aufrichtig seine Geschichte erzählen. Diese Einstellung lässt sich auch auf Browns ersten musikalischen Alleingang übertragen.



»Ich versuche einfach nur echt zu sein, im Alltag genauso wie in meiner Musik«, erklärt der Musiker, der nicht nur extrem höflich und freundlich, sondern auch ziemlich aufgeräumt daher kommt. Was angesichts aller dokumentierten Exzesse eine freudige Überraschung darstellt. »Ich habe mehr als zwei Jahrzehnte lang getourt und brauchte einfach mal ein wenig Abstand von all dem«, lässt er sich entlocken. »Jetzt habe ich den Spaß an der Musik wiedergefunden, und genau darum geht es mir.«

Gemeinsam mit Lance Harvill, einem Gitarristen und Komponisten aus Nashville, hat Brown aus seinen Ideen ein knappes Dutzend Songs gemeißelt, die nach seiner Vorstellung in der Summe »ein cooles Rock’n’Roll-Album, das man zum Beispiel auf Vinyl genießen kann« bilden. Eine durchaus gelungene Mission, denn zum einen weiß Brown mit ungeahnten Frontmann-Qualitäten zu gefallen, zum anderen wartet Smoke On This… mit abwechslungsreichen und experimentierfreudigen Songs wie ›Buried Alive‹ oder ›Gracie‹ auf.



»Wenn du schreibst, musst du einfach auch mal loslassen können«, fasst Brown zusammen. Dass Smoke On This… kein Heavy-Metal-Album ist sondern im weiteren Sinne ein alternatives Southern-Hardrock-Brett, sei das Problem anderer, nicht seins. »Über diesen Punkt bin ich längst hinaus«, gibt er zu verstehen. »Ich bin in den Siebzigern mit jeder Menge hervorragender Musik groß geworden. Und an dieser Periode habe ich mich für meine Platte orientiert.«

Spricht man Brown auf sehr persönlich wirkende Texte wie ›Get Yourself Alright‹ oder ›Fault Line‹ an, zögert er zunächst ein wenig. Eigentlich möchte er Interpretationen am allerliebsten dem Hörer überlassen. Doch dann sagt er: »Ich bin an einem schönen Punkt in meinem Leben und zufrieden damit, wie es bei mir läuft.« Er betont, dass er sich mit zunehmendem Alter mit anderen Dingen befasse als bisher. »Die ganze Angst habe ich hinter mir gelassen, aber ich bin immer noch derselbe Typ, der Abend für Abend auf der Bühne alles geben will.«



Dieser Text stammt aus ROCKS Nr. 59 (04/2017).

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