»Dusty wollte Rock’n’Roll spielen und Geld verdienen. Das tat er. Ich wollte Blues spielen und unabhängig bleiben. Das tat ich.« So beschrieb Rocky Hill einst einem Journalisten ihre unterschiedlichen Prioritäten. Mit Trommler Frank Beard bilden die Brüder die Acid-Rocker American Blues, begleiten Blues-Legenden wie Jimmy Reed oder Freddy King; nach zwei wenig beachteten LPs wird Rocky Hill durch Gitarrist Billy Gibbons ersetzt. Während die drei fortan als ZZ Top Geschichte schreiben (und sich imposante Bärte wachsen lassen), schlägt der selbsternannte „Anti-Clapton“ Rocky einen steinigen Pfad ein. Er liefert die tiefen Töne für Lightnin’ Hopkins und Freddie King, bei denen er fünf Dollar pro Nacht verdient, und veröffentlicht 1982 sein Solo-Debüt Texas Shuffle, auf dem Johnny Winter und Dr. John gastieren. Schwerer Alkohol- und Drogenmissbrauch macht ein Touren unmöglich, und es dauert sechs Jahre, bis er im Studio nachlegt.
Rocky Hill ist eine Sammlung bissiger Blues-Lieder. Nicht nur im Southern-eingefärbten Hit-Aspiranten ›I Won’t Be Your Fool‹ oder dem satt groovenden ›HPD‹ gefallen Hills whiskeygetränkte Stimme und seine kantig-spröde Saitenarbeit. Unter der Regie der erweiterten ZZ Top-Familie um Produzent Bill Ham und der Tontechniker Terry Manning und Joe Hardy begleiten ihn unter anderem Drummer Doyle Bramhall (Nightcrawlers), Bassist, Randy Jo Hobbs (Montrose, Rick Derringer), die Memphis Horns und Gitarrist Reid Farrell (The Interns), der den jungen Billy Gibbons in die Geheimnisse des Blues einweihte.
So weckt das karge ›Hoo Doo Eyes‹ Erinnerungen an die best little rockband from Texas des Jahres 1973. Wie auch ›Take My Love‹, das klingt, als hätte Stevie Ray Vaughn die sechs Saiten übernommen. Ein hämmerndes Klavier und saftige Bläsersätze unterlegen ›Bad Year For The Blues‹, die wahre Geschichte seiner schicksalhaften Begegnung mit dem großen Jimmy Reed, und beleben (plus schneidiger Slide-Gitarre) auch ›New York City Turnaround‹. Die unbehauenen Blues-Standards ›Walked From Dallas‹ und ›Mississippi Delta Blues‹ beeindrucken vor allem die texanische Musiker-Elite. Der »beste Gitarrist der Welt, den niemand kennt« könne an einem guten Tag fast jeden Konkurrenten locker an die Wand spielen, war nicht nur Billy Gibbons überzeugt. Diesem Lob lässt Rocky Hill leider keine Taten mehr folgen. Er stirbt 2009 mit 62 Jahren.







