Die Veröffentlichung ihrer beiden (Konzept-)Konzert-Mitschnitte Layla Revisited (2021) und Mad Dogs & Englishmen Revisited (2025) hat der Tedeschi Trucks Band Ruhe gebracht, die sie dringend benötigte. Nicht nur überbrückend, um das fantastische I Am The Moon abzuschließen, das 2022 als Vierfach-Album erschien. Auch musste das zwölfköpfige Großensemble um Slide-Gitarrist Derek Trucks und seine Gattin Susan Tedeschi als Bandkollektiv neu zusammenzufinden, in dem es nicht bloß durch den Tod des Multiinstrumentalisten Kofi Burbridge drei Jahre zuvor einige Veränderungen gegeben hatte.
Future Soul ist nun das sechste Studio-Werk der 2010 gestarteten Jam-Equipe, die seit jeher auf unverkennbar eigene Weise das breite Spektrum amerikanischer Roots-Musik bespielt und sich an Blues, Rock, Southern-Soul, Gospel und Jazz gleichermaßen begeistert. Während sie sich auf I Am The Moon von der Musik und der zugrundeliegenden Textgeschichte (mehr dazu in ROCKS Nr. 90, Heft 05/2022) haben tragen und treiben lassen, die immer wieder in lodernden Improvisationsspielfeuern aufging, ist der Ansatz dieser neuen Platte ein anderer. Miteinander gespielt wird freilich auch hier. Nur sind die Songs wesentlich kompakter, in die sie alles hineinwerfen, was ihre Band immer schon auszeichnete.
Wie gut das alles in Liedern funktioniert, von denen keins länger ist als 4:57 Minuten und die sogar noch zugänglicher und schlagkräftiger geraten sind als seinerzeit Made Up Mind (2013), zeigt sich gleich im allerersten, das mit dominantem Soul-Groove, einem starkem Riff-Motiv, feiner Orgel, sanft malenden Bläsern und belebenden Chören plötzlich Trucks’ unglaubliche Slide-Gitarre explodieren lässt, um dann wieder an seine Gattin zu übergeben: ›Crazy Cryin’‹ ist schlicht und einfach ein ziemlich geiler Song. Das sonnig-freundliche ›I Got You‹ im Anschluss ist es genauso. Noch mehr Trucks-Zauber betört im zärtlichen ›Who Am I‹, ehe es in ›Hero‹ verblüffend rockig weitergeht. Auch das Titelstück ist ein vergleichsweise harter Ausbruch, für den Trucks seine geliebte Gibson SG gegen eine Flying V auswechselt und schmutzig durch ein Fuzz-Pedal drückt. „Hope your future’s got soul in it“ singt Tedeschi dazu mit bebender Stimme: ein rabiates, fast verzweifeltes Bekenntnis zu analoger Musik und menschengemachter Kunst im vollem Bewusstsein, dass ihr eigener Umgang damit kaum der Einstellung der breiten Masse entspricht. Ein wertvolles Album.








