DeWolff

Prog ist nicht sexy

Auf Thrust nutzen DeWolff die Vorteile des eigenen Studios: In aller Ruhe schufen die Niederländer ein experimentierfreudiges Werk zwischen psychedelischem Hardrock und Southern-Soul.

TEXT: VINCENT ABBATE |FOTO: Satalite June

»Klingt das alles noch nach DeWolff?«, fragt sich Robin Piso angesichts der großen Vielfalt an Sounds auf der neuen Platte. Dem Spezialisten an der Hammondorgel ist bewusst, dass Thrust zwar nach wie vor auf psychedelischem Hard- und Southern-Rock basiert, aber durchaus die Toleranzgrenze ihrer Fangemeinde ausloten könnte.

Denn diesmal sprengen die drei Musiker aus den Niederlanden ihren bewährten musikalischen Rahmen durch aufwendige Arrangements mit Elementen aus Soul, Funk und ein wenig Country — vor allem aber durch den vermehrten Einsatz von analogen Synthesizern. Im eigenen Tonstudio in Utrecht ließ sich die Band dazu viel Zeit und ihrer Kreativität freien Lauf. Piso gesteht: »Ich bin neugierig, ob das Album gut ankommt oder die Hörer finden, dass wir mit diesem bunten Stilmix zu weit gegangen sind.«


Doch aus der Sicht des Keyboarders stellt Thrust, die neunte Veröffentlichung, nur eine logische Verschmelzung aller musikalischen Vorlieben dar, die innerhalb von DeWolff kursieren. Das gemeinsame Projekt von Piso, Drummer Luka van de Poel und dessen jüngerem Bruder Pablo van de Poel an Gesang und Gitarre gibt es seit 2007, als sie alle noch zur Schule gegangen sind.

Seitdem hat sich eine Menge getan, was ihre Hörgewohnheiten angeht: »Pablo steht natürlich in erster Linie auf Gitarren, mag aber gern auch klassischen Soul«, berichtet Piso. »Luka schwärmt für afrikanische Rhythmen und hat sogar ein eigenes Afrobeat-Projekt am Start. Ich höre komischerweise nur selten Aufnahmen mit einer Hammond als Lead-Instrument, dafür häufig Platten von Little Feat oder The Band.«



Auf Frühwerken wie Strange Fruits & Undiscovered Plants (2009) und Orchards/Lupine (2011) boten DeWolff zunächst einen meist bluesigen Sechziger- und Siebziger-Sound im Stil von Cream oder Deep Purple. Erst später, zu Zeiten von Grand Southern Electric (2014), schimmerte der Hang zum erdigen Southern-Rock der Allman Brothers Band durch.

»Seit gut zehn Jahren sind wir jetzt zusammen auf musikalischer Entdeckungsreise. Unsere bisherigen Alben haben immer die aktuellen Entwicklungen und den persönlichen Geschmack der Mitglieder widergespiegelt. Dabei gibt es natürlich Überschneidungen. Thrust fasst nach zehn Jahren jetzt alles zusammen.«



Unverändert seit der Geburtsstunde von DeWolff ist das technische Können; schon als frühreife Teenager beherrschten die drei Holländer ihr Handwerk auf hohem Niveau. Die ambitionierte neue Scheibe könnte sogar streckenweise als das Werk eines Prog-Trios durchgehen, doch diese Bezeichnung lässt Pisa kalt: »Ich höre sowas nicht, weil ich Prog überhaupt nicht sexy finde. Bei DeWolff wollen wir anspruchsvolle Songs schreiben, die gleichzeitig grooven und zum Tanzen einladen. Ich finde, das ist die ultimative Mischung.«


Dieser Text stammt aus ROCKS Nr. 64 (03/2018)

 

 

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