»Mit großer Trauer habe ich vom Tod Clive Davis’ erfahren. Er war der Columbia-Boss, der uns unseren ersten Plattenvertrag angeboten hat. Ich bin dankbar, dass er unser Potenzial erkannt hat und uns zum besten Label geholt hat, das es in dieser Zeit gab.« Mit diesen Worten reagierte Aerosmith-Bassist Tom Hamilton auf den Tod von Clive Davis. Bei Columbia schafften die Hardrocker ihren Durchbruch: Alle Alben von Aerosmith (1973) bis Rock In A Hard Place (1982) erschienen dort; ab Nine Lives (1997) kehrten sie zum zwischenzeitlich an Sony verkauften Branchenriesen zurück.
Es war weder das erste noch das einzige Mal, dass der 1932 in New York geborene Davis ein goldenes Ohr für Talent bewies. 1966 wurde er Chef von CBS Records; noch im gleichen Jahr veröffentlichte Donovan sein drittes Werk Sunshine Superman über dessen Sublabel Epic Records. Als »Erweckungserlebnis« bezeichnete Clive Davis selbst allerdings das Monterey Pop Festival 1967: Beeindruckt von ihrem dortigen Auftritt bot er Janis Joplin und ihrer Band Big Brother And The Holding Company einen Vertrag an — sowohl das zweite Band-Album Cheap Thrills (1968) als auch die beiden Joplin-Solowerke I Got Dem Ol’ Kozmic Blues Again Mama (1969) und Pearl (1971) erschienen bei Columbia und wurden durchschlagende Erfolge. Bis zu seiner Kündigung wegen eines Schmiergeld-Skandals im Jahr 1973 holte er außerdem unter anderem Santana, Bruce Springsteen, Billy Joel und Blood, Sweat & Tears unter das Dach der Firma.
1974 gründete der mittlerweile 42-Jährige dann Arista Records, zu deren Künstlerinnen und Künstlern unter anderem Aretha Franklin, Dionne Warwick und Patti Smith zählten. Und bei der die Karriere von Whitney Houston startete. »Ich war dabei, als sie entdeckt wurde. Sie hatte einfach eine Gabe«, erinnert sich Davis später in einem Interview. »Als sie sich in den frühen achtziger Jahren vorstellte, hörte ich sie erstmals ›Greatest Love Of All‹ von George Benson singen. Sie fand eine Bedeutung in dem Song, den ich mir nichtmal hätte erträumen können.«
Später machte sich Davis außerdem etwa als Mitbegründer von Bad Boy Records (u.a. Notorious B.I.G.) um den Hip-Hop verdient; im neuen Jahrtausend war er außerdem Chef der RCA Music Group und Kreativ-Chef von Sony Music. Für seine Verdienste wurde Clive Davis mehrfach ausgezeichnet: So gewann er fünf Grammys — allein zwei für Supernatural (1999) von Santana, das er als Co-Produzent betreute — und wurde 2000 als Non-Performer in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen.
Clive Davis starb am 22. Juni 2026 in seinem Haus in Manhattan. Er wurde 94 Jahre alt.







