Iggy And The Stooges

Ready To Die

Fat Possum
VÖ: 2013

Das wandelnde Phänomen

Mit dem Tod von Gitarrist Ron Asheton waren die 2009 sechs Jahre zuvor gerade erst reformierten Stooges schnell wieder Geschichte. Doch dafür reaktivierte der heute 65-jährige Iggy Pop die Variante der Punkrock-Vorläufer, die vor drei Dekaden unter Mitwirken von David Bowie den Monster-Klassiker Raw Power auf die Menschheit losließ — unter dem Namen Iggy & The Stooges und mit dem Gitarristen James Williamson.

Geschichtsklauberei: Wenn ein solcher Schmutzfeger wie Ready To Die entsteht, ist es im Grunde völlig egal, bei welchem Namen man den Rotzlöffel am Ende rufen mag. Wie auch bei den Zeitzeugen New York Dolls hat sich bei der durch Bassist Mike Watt und Schlagzeuger Scott Asheton komplettierten Truppe im Alter eine zumindest latente Stones-Schlagseite in der Musik ergeben. Bei den bissigeren Iggy And The Stooges bleibt sie allerdings tiefer unter der Oberfläche.

Absolut großartig, wie die Band in ›Sex And Money‹ nach schluderigem Anfang in einen kapitalen Riff-Groover schlittert, in dem ein drückendes Saxophon (Bobby Keys) bläst. Und das nach dem von Pop mit unvergleichlicher Verachtung dargebotenen Eingangsstück ›Burn‹, in dem Williamson seinem charakteristisch-krachenden Klampfenspiel freien Lauf lassen darf. ›DD’s‹ hat sogar was von sonnigem Motown. Nicht nur im Beat, sondern auch in der famosen, den Song zusammenhaltenden Strophe, in der Pop fidel über — nennen wir sie beim Namen — Brüste textet.

Riesig auch ›Gun‹, das typischer kaum klingen könnte: Ein Einstieg nach Art von ›Search And Destroy‹, dann scharf geriffte Spiders From Mars und trashige Soli. Oder das geradeaus gerockte ›Dirty Deal‹ mit wüsten Breaks. Angenehme Abwechslung bieten die Momente, in denen sich die Band ihrer Grandezza entsprechend zurücklehnt und Williamson zur Akustischen greift: ›Unfriendly World‹ und ›The Departed‹ pendeln zwischen Stones, Iggy, Americana und Blues. Noch schöner ist nur der schön arrangierte Western-Rocker ›Beat That Guy‹ mit tollem Mittelteil und großen Solo-Gitarren. Bissig, energetisch, dreckig und ein Kind der frühen Siebziger: Ready To Die macht The Weirdness komplett vergessen.

(8.5/10)
TEXT: TOM KÜPPERS

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