Ihr schmökert gerne online auf ROCKS?

Das freut uns! Wir haben aber auch eine Bitte.

Dass dieser Teil von ROCKS bei euch ankommt, zeigen uns auch die beträchtlichen Zugriffszahlen, für die wir herzlich danke sagen. Jeder kann auf unser Unterhaltungsangebot zugreifen — Bezahlschranken gibt es keine.

Deshalb unsere Bitte: Unterstützt dieses Angebot freiwillig mit einem Beitrag.

Warum? Das sagen wir Euch auf dieser Seite.

Cheap Trick

All Washed Up

BMG
VÖ: 2025

Das nächste Schaustück der inspirierten Spätphase

Cheap Trick waren noch nie eine Band wie jede andere. Auch ihr Alterungsprozess unterscheidet sich von so ziemlich allem in der Rock-Musik Geläufigen: Es gibt ihn nämlich nicht. Zumindest nicht in dem Maße, wie man es von einer Band erwarten würde, die vor 52 Jahren den Betrieb aufgenommen hat. Die Frische, Energie und hörbare Lust, mit der die Gruppe aus Rockford, Illinois ungebrochen zur Tat schreitet, ist schier verblüffend — und der kreative Lauf, den Cheap Trick seit Special One (2003) immer weiter beschleunigen, ist es genauso. Auf jüngeren Alben wie In Another World (2021) mag der Humor der Power-Pop-Veteranen subtiler und noch abseitiger geworden sein. Dafür spendierten sie den Liedern dieser Albumstrecke eine recht harte Durchschlagskraft, die ihrer Plattenfrühzeit nicht unähnlich ist: Charmant und laut donnerte 1977 ihr Debüt in die Grauzone aus The Who, Punkrock, Hardrock und hübschem Sixties-Gitarren-Poprock, ehe sie sich auf In Color (1977) merklich aufpolieren ließen und auf Heaven Tonight (1978) die Vorzüge beider Extreme in einem melodisch clever austarierten Rock-Spektakel zusammenführten, das — allen später ausprobierten Brüchen, Spitzen und Spielereien zum Trotz — immer der Ankerplatz der MS Cheap Trick blieb.

All Washed Up ist das 21. Studio-Album der Truppe um Robin Zander, Rick Nielsen und Tom Petersson und im Charakter ein weiteres Schaustück ihrer inspirierten Spätphase. Wobei es im Vergleich zum sortierteren Vorgänger durch zwei Eigenheiten auffällt: Die harten Rock-Songs sind um einiges krawalliger und nervöser ausgefallen (›All Washed Up‹ als Konglomerat aus Alice Cooper, Aerosmith und Cheap Trick genauso wie ›The Riff That Won’t Quit‹, in dessen Gitarrenarbeit einmal mehr die „Bad Boys from Boston“ durchschlagen). Und diesmal sind es die sonnigen, merklich an den Beatles und Paul McCartney geschulten Power-Pop-Momente, die umgehend zupacken — mal mit hartem Rock-Überzug (›All Wrong Long Gone‹), puristisch-harmonisch (›Love Gone‹, ›Bad Blood‹, ›The Best Thing‹, ›Twelve Gates‹) — und dann wieder mit dezentem Jeff Lynne- und Tom Petty-Schmiss, der sich unterschwellig in ›A Long Way To Worcester‹ ausbreitet. ›Wham Boom Bang‹ ist das stattliche Finale, in dem Cheap Trick all ihren Witz und Kompositionsschnitt konzentrieren und mit rhythmisch fidelem Saitengerupfe auf der Akustischen, mit Oboen und anderem Fab-Four-Schabernack ›Honey Pie‹ und ›When I’m Sixty-Four‹ gleichermaßen als Sprungbrett für einen eigenen Song nutzen.

(8/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

ROCKS PRÄSENTIERT

DAS AKTUELLE HEFT

Cover von ROCKS Nr. 110 (01/2026).