Dem sehr eindeutigen Bluesrock, der ihm auf seinem Erstling Old Glory & The Wild Revival (2015) noch ein Zuhause bot, ist Jared James Nichols längst entwachsen. Auch in Europa ließ sich dem Schrank gewordenen Gitarristen aktiv bei diesem Prozess zuschauen — zuletzt unter anderem im Vorprogramm der Winery Dogs (2023) und von Mr. Big (2024), die ihn auf ihren Tourneen mitnahmen und so Zugang zu einer Klientel ermöglichten, vor der er sich mit seinem Ensemble beweisen musste. Seine Musik hatte er bereits da um Groove und einen rabaukigen Southern-Drall erweitert, der seinen riffstarkem Heavy Rock und Power-Blues genauso mit Mountain und Black Sabbath in Berührung brachte wie mit Zakk Wylde, Soundgarden oder den Rival Sons, die er allesamt durch den Filter seines umsetzenden Power-Trios laufen ließ.
Dass es zwei sehr unterschiedliche Situationen sind, diesen immer ausgesprochen basisch anmutenden Ansatz mit erheblichen Schalldruckwellen von der Konzertbühne zu blasen oder in den Studio- und Album-Kontext zu übersetzen, hat den schwerst sympathischen Bandleader schon länger beschäftigt. Und nun handeln lassen: Louder Than Fate ist die vierte Platte des 1989 geborenen Burschen aus Nashville, für die er sich auf die Jagd nach kompositorischer Finesse für seine Songs begab. Und auf die Suche nach einer spannenden Balance von Muskel- und Melodiespiel, die sich auf seinen vorherigen Alben nur schwerlich einstellen wollte. Mit Unterstützung einiger Freunde wie Tyler Bryant, dem Produzenten Jay Ruston (Anthrax, Stone Sour, Meat Loaf, Black Star Riders) und dem nicht mit ihm verwandten Roger Alan Nichols (Larkin Poe) ist er fündig geworden.
Tatsächlich hat Louder Than Fate deutlich mehr Songkörper als zuletzt und eine gänzlich andere melodische Qualität — in den Arrangements genauso wie in den tragenden Gesangslinien und dem zuweilen gut in Adrenalin gebadeten Refrainchorwerk. In ›Let’s Go‹ lässt er seine fette Riff-Gitarre einen Augenblick lang bratzen wie gewohnt, dann steht er plötzlich mittendrin in einer überaus hymnischen Street-Rock-Nummer, die man seinerzeit auch von Heaven’s Basement genommen hätte. Auch ›Dust N’Bones‹ hat frontale Hardrock-Riff- und Schlagzeug-Power und einen mitnehmenden Refrain. Offensichtlicher nutzt er Blues- und Südstaatentexturen in den pathosreichen Southern-Perlen ›Show Me‹ und ›Looks Like That Felt Good‹ — freilich auch im Knüller ›Way Back‹, in dem Cowboy-Klampfen den Grund liefern für breitbeinige Riff-Salven, die im starken Refrain die Anhänger von Black Stone Cherry zum Tanz bitten. Und im dramatischen ›Killing Time‹ lässt er im Hintergrund ein Orchester malen und explodiert in seinem Solo: Alles eine überaus positive Überraschung!







