Vandenberg

Helden über Helden: Vandenberg über die Jimi Hendrix Experience

Vor drei Jahren reaktivierte Adrian Vandenberg die nach ihm benannte Band, mit der er in den frühen Achtzigern erste Erfolge feierte. Ihr blueskundiger Hardrock zwischen Badlands und Whitesnake bleibt auch mit Mats Levén als neuem Sänger intakt — der Gitarrist selbt bleibt ein Mann der alten Schule.

TEXT: DANIEL BÖHM

Dass der Holländer Gruppen wie UFO, Thin Lizzy oder Deep Purple verehrt, sondern speziell auch Paul Kossoff und Free, stellte der 69-jährige Gitarrist bereits in den späten Siebzigern mit seiner Band Teaser klar, die in Stil und Gestus eine ganze Menge von Fire And Water (1970) und Highway (1970) in sich trugen. Für ihn als Mensch und Musiker noch wichtiger sei allerdings ein ganz anderes Album, erzählt er.

»Es ist Axis: Bold As Love von Jimi Hendrix. Und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen. Hendrix war aus einer anderen Galaxie, mit seinen Sounds und Techniken hat er die Welt der Rock- und Bluesrock-Gitarre komplett aus den Angeln gehoben. Der Mann hat seinerzeit die größten Gitarrengötter um sich herum das Fürchten gelehrt: Eric Clapton, Jeff Beck und Pete Townshend haben sich wie kleine Lurche gefühlt im Vergleich zu der Kraft und dem unglaublichen Ausdruck, den Jimi Hendrix in seinem Spiel transportieren konnte.



Es liegen nur ein paar Monate zwischen seinem Debüt Are You Experienced? und Axis: Bold As Love. Aber die Unterschiede, dir sich im Hinblick auf sein Spiel und auch sein Songwriting auftun, sind enorm. Es ist atemberaubend, wie er in solch kurzer Zeit als Künstler hat reifen können. ›Castles Made Of Sand‹ ist ein Paradebeispiel für das Genie von Jimi Hendrix. Oder auch ›Little Wing‹, meinem absoluten Lieblingssong überhaupt. Auch seine Texte wurden immer poetischer, fast surrealistisch. Man kann ganz deutlich merken, dass er sich auch auf einer spirituellen Ebene stark entwickelt hat.

Mit seinem Gesang war Hendrix nie zufrieden. Er hat in einem Interview mal gesagt, dass er durch Bob Dylan verstanden habe, dass man technisch kein besonders versierter Sänger sein muss, um seine Musik ausdrücken zu können — erst diese Erkenntnis habe ihm das Selbstbewusstsein gegeben, seine Lieder selbst zu singen. Toll.«

Mehr zu Vandenberg gibts im neuen ROCKS Nr. 96 (05/2023)!


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