Virgin Steele

The Passion of Dionysus

Steamhammer
VÖ: 2023

Knapp am Sieg vorbei

Wenig überraschend widmet sich Virgin Steele-Mastermind David DeFeis nach dem haarsträubenden Nocturnes Of Hellfire & Damnation thematisch wieder dem frühen Zeitalter der Menschheitsgeschichte. Immerhin gehört der opulente Konzept-Mehrteiler The House Of Atreus zu den Höhepunkten der amerikanischen Drama-Metaller.

Nun nimmt sich Gesangshüne DeFeis der Sage um den griechischen Gott des Weines und der Ekstase an. Die Gestalt ist ähnlich ambivalent wie das aktuelle Klang-Gut der Band, die neben dem 62-jährigen Sänger nur aus seinem langjährigen Gitarristen Edward Pursino besteht. Der Minimalaufwand tut schnellen und härteren Stücken gar nicht gut. Knatternde Drum-Computer in ›Black Earth & Blood‹ vertragen sich nicht mit dem angepeilten Bombast von Epen wie ›The Ritual Of Descent‹, bei dem sich wiederum die etwas aufgeblasenen Keyboards nicht stimmig in den Gesamtsound integrieren wollen.

Dafür hat der exzentrische Frontmann die exaltierten Gesangsmarotten des Vorgängers auf ein Mindestmaß reduziert und sich in Stücken wie dem von einer hübschen Pianomelodie getragenen ›The Gethsemane Effect‹ oder der Mini-Suite ›You’ll Never See The Sun Again‹ wieder auf seine durchaus vorhandenen Qualitäten besonnen, die hier zum Glück dann doch überwiegen — aber nicht siegen.

(6.5/10)
TEXT: MARKUS BARO

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