Iggy Pop

Every Loser

Gold Tooth
VÖ: 2023

Zurück zur Wut

Wer nach dem Jazz-lastigen Free eine Sammlung französischer Chansons mit Triangel-Begleitung erwartet hätte, dürfte überrascht sein. Unter der Leitung des Gold Tooth-Gründers und Ozzy-Produzenten Andrew Watt, der auch für die betont eindimensionalen Gitarren zuständig war, kehrt der Punk-Pate auf seinem 19. Album wieder zu seinen Wurzeln zurück.

Das heftige ›Neo Punk‹ oder der garstige Wutklumpen ›Frenzy‹ ziehen eine direkte Linie zu frühen Stooges-Tagen, allerdings mit drückenderer, aber betont natürlicher Soundkulisse. Mit Guns N’ Roses-Bassist Duff McKagan und Red Hot Chili Peppers-Trommler Chad Smith als jederzeit glaubwürdigen Sound-Konstrukteuren baut der 75-Jährige in ›All The Way Down‹ oder ›Comments‹ auch eine Brücke zu End-Achtziger-Großtaten wie Instinct (1988) oder Brick By Brick (1990) und legt in ›Modern Day Rip Off‹ offen, woher ein Michael Monroe seine Inspiration seit so vielen Jahren bezieht.

Was The Cult auf ihrem aktuellen Album anvisieren, aber nur bedingt zufriedenstellend vollenden, erreicht Pop in dem New-Wave-angelehnten ›Strung Out Johnny‹ mit Leichtigkeit. Das klingt wie eine verschärfte Version der Sisters Of Mercy oder The Mission, während die gesprochene Einleitung des Ohrwurms ›New Atlantis‹ tatsächlich an den fast gleichnamigen Donovan-Hit denken lässt. Nach den Irrwegen der vergangenen Jahre hat sich Iggy Pop mit Every Loser wieder unentbehrlich gemacht.

(9/10)
TEXT: MARKUS BARO

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