Aller Hysterie zum Trotz, die deutsch-amerikanischen Band um Sänger Lenny Wolf wäre in ihrer überaus erfolgreichen Frühphase nichts anderes als eine Led Zeppelin-Kopie gewesen: Gerade die ersten beiden Alben von Kingdom Come sind und bleiben herausragende Exponate des Hardrock der späten Achtziger, die groovende Riff-Coolness, wuchtvolle Dramatik und einen unterkühlten Grundtenor miteinander verdrahteten. Als 1991 das dritte Album Hands Of Time anstand, war Wolf seine Band abhandengekommen: Unterstützt von Gastmusikern wie Gitarrist Blues Saraceno, macht der Sänger im Studio nun fast alles selbst. ›I’ve Been Trying‹ reizt mit mittelalterlich anmutenden Folk-Adaptionen und schwerem Rhythmus; in ›Stay‹ führt das Nordlicht clever AC/DC in seine verbleite Soundwelt ein. Die kalten Keyboardschwaden und beinahe stoischen Grooves, die Lieder wie ›Both Of Us‹, ›Do I Belong‹ und besonders das überragende ›Should I‹ bestimmen, werden als Stilmittel auf den Folgewerken von Kingom Come zunehmend wichtiger (die von deftigen Achtziger-Synthesizern angeschobene Hymne ›Can’t Deny‹ baut die Brücke hinein in die Phase, die zwei Jahre später mit Bad Image beginnen wird). Dass das Schlagzeug auf Hands Of Time zuweilen nach Drum-Computer klingt, irritierte im Erscheinungsjahr weitaus stärker als heute.
Album: 7,5








