Ben Harper

Wide Open Light

Chrysalis
VÖ: 2023

Beziehungskram im Folk-Format

Über die Jahre hinweg ist Ben Harper zu einer herausragenden Figur der amerikanischen Roots-Musik gewachsen, der mit kritischem Auge auf die Geschehnisse in seiner Heimat Amerika blickt. Auf Bloodline Maintenance (2021) spielt er zuletzt mit dem Soul und Funk der Siebziger und befasste sich inhaltlich mit seiner Familiengeschichte.

Nun folgt in Wide Open Light ein umso weniger geschliffenes Album. Ein frei fließendes Picking-Stück (›Heart And Crown‹) zuerst, dann ein wenig Lap-Steel (›Giving Ghosts‹), gepaart mit unverfälschtem Gesang: Springsteens Nebraska trifft auf Ry Cooders Paris, Texas. In ›Masterpiece‹ erweitert er die Instrumentierung behutsam. „Dich zu lieben ist mein Meisterstück“, singt Harper.

In ›Yard Sale‹ geht es dann um Trennung und Entfremdung: Es sei vermutlich jetzt ein wenig zu spät für Abschiedssex, befindet er. Aber die Musik fließt weiter ruhig dahin in diesem Song, für den Jack Johnson bei den Aufnahmen im Studio vorbeischaute. Die Piano-Ballade ›Trying Not To Fall In Love With You‹, von Harper bereits auf der Styles-Tour vorgestellt, setzt auf melodramatische Tastenarbeit, um die Geschichte des Stücks zu tragen: Ganz gleich, ob er sich in Affären stürzt oder Pillen nimmt, er kommt nicht von der Frau los, die er hier mit Inbrunst ansingt. Viel Beziehungskram also, umgesetzt in ur-amerikanische Folk-Formate.

(8/10)
TEXT: RALF DECKERT

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