Lässt sich Magie reproduzieren? Kann man einen Mythos erneuern? Crimson Glory versuchen das Unmögliche und kehren mit Chasing The Hydra zurück — ihrem ersten Album seit dem ambitioniert gescheiterten Astronomica (1999). Inzwischen fehlt nicht nur der 2009 verstorbene Sänger Midnight, sondern mit dem aus familiären Gründen nicht beteiligten Gitarristen und Hauptsongwriter Jon Drenning eine weitere prägende Figur. Konnten sie diesen Verlust auf der Bühne bei der Interpretation alten Materials zuletzt noch kompensieren, so hinterlässt er im kreativen Bereich eine deutliche Lücke. Stimmlich ist der Band mit Travis Wills ein guter Fang gelungen, der tatsächlich nah am Original ist, ohne aber auch nur ansatzweise die verzaubernden Melodien Midnights erschaffen zu können. Schon das verschachtelte ›Redden The Sun‹ wirkt blass, die von ›Red Sharks‹ recycelten Gitarren heben den Titeltrack nicht aus dem ordentlichen Mittelmaß. Mit dem emotionalen ›Angel In My Nightmare‹ und dem mit orientalisch anmutenden Melodien versehenen ›Indelible Ashes‹ verfügt Chasing The Hydra über zwei Nummern, die Hoffnung machen. Aber schon das flotte ›Beyond The Unknown‹ klingt zu beliebig, auch das harte ›Armor Against Fate‹ hat mit den klassischen Crimson Glory der ersten beiden Scheiben wenig gemein. Selbst nach etlichen Durchläufen entwickelt das Album keinen Zauber, sorgt nie für Gänsehaut oder tiefe Emotionen und bleibt bei aller Liebe meilenweit hinter Crimson Glory (1986) und Transcendence (1988) zurück, die noch immer das Vermächtnis der Band bilden.
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